KI baut Ihre Website in Minuten. Aber wer hat sie danach noch im Griff?
Eine Website in wenigen Minuten erstellen? Das ist inzwischen keine übertriebene Werbeaussage mehr.
KI-Tools können heute aus wenigen Vorgaben erstaunlich schnell komplette Entwürfe erstellen. Mit ChatGPT Sites ist diese Möglichkeit inzwischen auch direkt in ChatGPT angekommen: Idee beschreiben, Struktur entwickeln, Gestaltung ausprobieren – und kurze Zeit später steht ein erster Webauftritt.
Und ja: Das ist beeindruckend.
Ich habe ChatGPT Sites selbst ausprobiert. Gerade für die Konzeptionsphase sind solche Werkzeuge ausgesprochen hilfreich. Seitenaufbau, Navigation und Gestaltung lassen sich schnell entwickeln und ebenso schnell wieder verändern. Statt eine Idee erst aufwendig umzusetzen, kann man verschiedene Varianten ausprobieren und so lange daran feilen, bis die Richtung stimmt.
Bei einem einfachen Prototyp ist es möglich, den erzeugten Quellcode zu übernehmen und als eigene HTML-Seite zu speichern, auf dem eigenen Hosting.
Eine Website kann mit KI also tatsächlich sehr schnell entstehen.
Aber die spannendere Frage lautet für mich: Wer hat diese Website in zwei, fünf oder zehn Jahren noch im Griff?
Erstellen ist etwas anderes als betreiben
Eine Website ist selten mit ihrer Veröffentlichung fertig.
Ansprechpartner ändern sich. Angebote kommen hinzu. Texte werden aktualisiert. Neue Bilder werden eingebunden. Formulare müssen angepasst werden. Technische und rechtliche Anforderungen können sich verändern.
Eine Website wird gepflegt.
Und genau an dieser Stelle ändern sich auch die Anforderungen an das Werkzeug.
Während der Entwicklung darf KI ausgesprochen kreativ sein. Ich möchte Vorschläge bekommen, verschiedene Möglichkeiten sehen und vielleicht sogar auf Ideen gebracht werden, auf die ich selbst nicht gekommen wäre.
Bei einer späteren Änderung möchte ich dagegen manchmal genau das Gegenteil.
Dann möchte ich nicht:
„Mach diese Seite besser.“
Sondern:
„Ändere genau diese Information – und sonst nichts.“
Stellen Sie sich einen ausgesprochen kreativen Mitarbeiter vor
Nehmen wir an, Sie haben einen neuen Mitarbeiter. Er ist schnell, kreativ und technisch hervorragend. Sie geben ihm eine Aufgabe:
„Bitte ändern Sie auf der Kontaktseite den Namen der Ansprechpartnerin von Frau Müller in Frau Schmidt.“
Am nächsten Morgen ist Frau Schmidt eingetragen.
Der Mitarbeiter hat allerdings gesehen, dass der Text daneben etwas trocken formuliert war. Den hat er gleich verbessert. Die Überschrift fand er ebenfalls nicht optimal und hat sie moderner formuliert. Und bei der Gelegenheit hat er noch eine Kleinigkeit am Aufbau verändert.
Vielleicht sieht die Seite danach sogar besser aus.
Trotzdem gibt es ein Problem:
Das war nicht der Auftrag.
Bei einem professionell betriebenen Webauftritt muss nachvollziehbar sein, was verändert wurde. Nicht weil Kreativität schlecht wäre. Sondern weil es einen Unterschied zwischen Gestalten und Pflegen gibt.
Für das eine wünsche ich mir Ideen. Für das andere brauche ich Kontrolle.
Manchmal ist es gut, wenn Software nicht mitdenkt
Genau hier haben klassische Content-Management-Systeme wie WordPress oder Joomla weiterhin einen ziemlich unspektakulären Vorteil:
Sie sind berechenbar.
Wenn ich in einem Beitrag einen Absatz ändere und anschließend speichere, wird dieser Absatz geändert. Wenn ich ein Bild austausche, wird dieses Bild ausgetauscht.
Das klingt wenig aufregend. Ist es auch.
Aber bei der langfristigen Pflege einer Unternehmenswebsite ist „wenig aufregend“ manchmal eine ausgesprochen angenehme Eigenschaft.
Generative KI funktioniert anders. Ihre Stärke besteht gerade darin, Vorgaben zu interpretieren, Zusammenhänge zu berücksichtigen und daraus etwas Neues zu erzeugen.
Das ist beim Entwerfen großartig.
Bei gezielten Änderungen bedeutet es aber auch: Das Ergebnis muss kontrolliert werden.
Übrigens sieht OpenAI selbst diesen Kontrollschritt vor: Bei ChatGPT Sites wird empfohlen, Änderungen zunächst in der Vorschau zu prüfen und eine aktualisierte Version erst anschließend zu veröffentlichen. OpenAI: ChatGPT Sites erstellen und verwalten.
Bei einer Seite überschaubar. Aber bei 500?
Bei einer kurzlebigen Landingpage für eine Veranstaltung oder Kampagne kann ein weitgehend KI-basierter Ansatz hervorragend funktionieren.
Die Seite ist überschaubar. Texte, Links, Bilder und Funktionen können nach einer Änderung relativ einfach geprüft werden. Nach dem Event wird die Seite vielleicht ohnehin nicht mehr benötigt.
Aber nicht jede Website besteht aus einer Seite.
Unternehmenswebsites, Verbandsseiten, Bildungseinrichtungen oder umfangreiche Wissensangebote können aus Dutzenden, Hunderten oder sogar Tausenden Seiten bestehen.
Hinzu kommen interne Verlinkungen, Downloads, Formulare, Ansprechpartner, wiederkehrende Inhalte und technische Abhängigkeiten.
Bei 500 Seiten kann niemand nach jeder Änderung einmal kurz die komplette Website durchsehen.
Und genau deshalb wird Kontrolle mit zunehmender Größe nicht weniger wichtig, sondern mehr.
Bei einer umfangreichen Website braucht es definierte Zuständigkeiten und kontrollierbare Änderungen. Nicht weil man Menschen oder KI grundsätzlich misstrauen müsste, sondern weil professionelle Prozesse bei komplexen Systemen nachvollziehbar bleiben müssen.
Die Verantwortung bleibt beim Unternehmen
Dieser Punkt wird besonders wichtig, wenn eine Website geschäftlich genutzt wird.
Wer eine Unternehmenswebsite betreibt, kann die Verantwortung für deren Inhalte nicht einfach an eine KI weiterreichen.
OpenAI weist für ChatGPT Sites selbst darauf hin, dass Betreiber für ihre Site und deren Inhalte sowie für die Einhaltung der jeweils anwendbaren Gesetze verantwortlich sind: OpenAI - Verantwortung für deine ChatGPT Sites verstehen.
Je nach Website kommen außerdem Anforderungen etwa aus Datenschutz und Barrierefreiheit sowie weitere rechtliche und technische Vorgaben hinzu.
Auch beim Datenschutz ist die Rollenverteilung klar: Werden über eine ChatGPT Site personenbezogene Daten verarbeitet, weist OpenAI darauf hin, dass der Betreiber dafür verantwortlich ist, die für ihn geltenden Datenschutzvorschriften zu kennen und einzuhalten: OpenAI - ChatGPT Sites – Datenschutzgesetze einhalten.
Und Anforderungen können sich verändern. Neue gesetzliche Vorgaben können Anpassungen notwendig machen. Ein eingesetzter Dienst verändert sich. Ein Formular wird ausgetauscht. Eine technische Komponente kommt hinzu oder fällt weg.
Dann muss gezielt eingegriffen werden können.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur:
Kann mein System eine Website erstellen?
Sondern auch:
Kann ich jederzeit nachvollziehbar genau dort eingreifen, wo eine Änderung notwendig ist?
Und wenn jemand anderes die Website übernehmen muss?
Auch das gehört für mich zu einer professionellen Website.
Vielleicht betreut heute eine bestimmte Agentur die Website. In drei Jahren übernimmt jemand anderes. Vielleicht wechselt ein Mitarbeiter oder das Unternehmen möchte künftig selbst mehr Inhalte pflegen.
Dann sollte eine Website kein persönliches Kunstwerk sein, dessen innere Logik nur derjenige versteht, der sie gebaut hat.
Ein etabliertes CMS hat hier einen praktischen Vorteil: Die grundlegende Arbeitsweise ist bekannt. Ein anderer WordPress- oder Joomla-Dienstleister kann sich in eine ordentlich aufgebaute Installation einarbeiten.
Bei neuen KI-basierten Website-Systemen sollte deshalb von Anfang an ebenfalls eine Frage gestellt werden:
Wie gut lässt sich das, was heute schnell entstanden ist, morgen von jemand anderem verstehen, pflegen und weiterentwickeln?
Dabei geht es nicht zwangsläufig um das Hosting. Einen einfachen mit ChatGPT Sites erstellten Prototyp konnte ich beispielsweise als HTML übernehmen und auf einem eigenen Webspace weiterverwenden.
Bei komplexeren Projekten mit zusätzlichen Skripten, Datenbanken oder anderen Abhängigkeiten wird das naturgemäß aufwendiger.
Die technische Mitnahme einer Website ist deshalb nur ein Teil der Frage. Der andere lautet: Ist sie anschließend auch noch vernünftig wartbar?
Heißt das: Lieber keine Websites mit KI erstellen?
Nein. Für mich ist eher das Gegenteil der Fall.
KI ist inzwischen ein ausgesprochen hilfreiches Werkzeug bei der Entwicklung von Websites.
Ich nutze KI beispielsweise bei Recherchen zu Märkten und Zielgruppen, bei der Entwicklung eines Website-Konzepts, für die Informationsarchitektur, bei der Planung einer sinnvollen Navigation und natürlich auch für Texte, Gestaltungsideen oder technische Lösungsansätze.
Mit Werkzeugen wie ChatGPT Sites kommt eine weitere interessante Möglichkeit hinzu: Ein Konzept kann sehr schnell sichtbar gemacht werden.
Statt abstrakt darüber zu sprechen, ob ein Aufbau funktionieren könnte, lässt er sich ausprobieren. Gefällt er nicht, wird er verändert. Eine andere Navigation? Ausprobieren. Andere Gewichtung der Inhalte? Umstellen.
Genau dort darf mein „kreativer Mitarbeiter“ sehr gerne mitdenken.
KI als Werkzeug – und Kontrolle als Prinzip
Vielleicht müssen wir deshalb gar nicht entscheiden, ob Websites künftig „mit KI“ oder „mit einem CMS“ gebaut werden.
Beides kann seinen Platz haben.
KI kann bei Konzeption, Gestaltung und Entwicklung enorme Arbeit abnehmen und neue Möglichkeiten eröffnen. Ein CMS kann anschließend eine kontrollierbare Umgebung für die langfristige Pflege bieten.
Und bei kleinen, überschaubaren Projekten kann wiederum eine vollständig mit KI erstellte Website genau die richtige Lösung sein.
Entscheidend ist der Einsatzzweck.
Eine Landingpage für eine Veranstaltung, die einige Wochen online ist, stellt andere Anforderungen als eine Unternehmenswebsite mit Hunderten Seiten, die über viele Jahre gepflegt und von unterschiedlichen Menschen betreut werden soll.
Eine Website muss deshalb nicht nur schnell erstellt sein.
Sie muss auch Jahre später noch Ihnen gehören – technisch, inhaltlich und organisatorisch.
Vielleicht bekommt mein Grundsatz im KI-Zeitalter damit sogar noch eine zusätzliche Bedeutung:
Ihre Website. Sicher. Klar. Im Griff.
Finden Sie heraus, ob Ihre Website unterstützt oder bremst. Klar, kompakt und ohne Fachsprache.
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